KI im Stakeholdermanagement – nützliches Werkzeug oder falsche Hoffnung?

Wer sich in ein Bewilligungsverfahren für eine neue Deponie stürzt, wird um viele Erfahrungen reicher. Und wer glaubt, mit einem guten KI-Tool die halbe Arbeit bereits erledigt zu haben, wird ebenfalls um eine Erfahrung reicher. Eine sehr teure.

Stellen Sie sich folgendes vor – der Fall ist fiktiv: Ein Unternehmer plant eine Deponie für sauberen Aushub in Richterswil (ZH). 6 Hektaren, 300’000 Kubikmeter, 500 Meter bis zur Autobahnausfahrt. Technisch solide, raumplanerisch möglich. Und trotzdem gerät das Projekt ins Stocken. Richterswil ist eine wohlhabende Wohngemeinde mit Seesicht, 30 Landwirtschaftsbetrieben, aktiven Vereinen und Siedlungsnähe unter 300 Metern. Wer hier zu spät das Gespräch sucht, hat verloren.

Das Gespräch suchen, nicht die Briefmarke

Das Muster ist immer dasselbe: Projekte scheitern, weil Bedürfnisse und Bedenken zu wenig ernst genommen und Projektanpassungen zu spät berücksichtigt werden. Wer früh zuhört und Verbündete gewinnt, verhindert, dass einzelne Gegner zu Scheinriesen werden. Verbündete entstehen nicht durch Broschüren oder Briefe – sondern durch wiederholten Austausch. Diese Arbeit braucht Zeit. Und Mut, auf Menschen zuzugehen – auch auf jene, die einem kritisch gegenüberstehen.

In 40 Sekunden um die Welt

KI kann in der Vorbereitung helfen. Sie durchforstet Gemeindedokumente, Zeitungsarchive, Social-Media-Kanäle, Einsprachehistorien sowie GIS-Daten und liefert eine erste Übersicht über Anspruchsgruppen – Behörden, Anwohner, Vereine, Landbesitzer, politisch exponierte Personen. Was früher Tage dauerte, geht heute in Minuten. Das ist viel wert.

Aber: KI kennt nicht die Beweggründe eines Anwohners. Sie erkennt keine Signale im persönlichen Gespräch, spürt nicht, ob jemand offen ist oder nur höflich nickt. Und sie baut kein Vertrauen auf. Analysieren ist gut – aber dann beginnt die eigentliche Arbeit: rausgehen, klingeln, zuhören, die Strategie konsequent umsetzen.

Schau mir in die Augen, Kleines

Unser Credo: Sie sollten von Anfang an wissen, mit wem Sie es im Laufe des Verfahrens zu tun haben – wer konstruktiv mitarbeitet, wer blockiert und wo noch unentdeckte Verbündete warten. Das braucht Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Menschen, nicht Algorithmen.

Haben Sie Lust auf einen Austausch über Stakeholdermanagement und Stolperfallen bei Infrastrukturprojekten? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.